profi Leseprobe Mai 2019

Jeden Monat gibt die Redaktion profi einen Beitrag als "Leseprobe" frei. Dieser „aktuelle Beitrag“ bietet den Nicht-Abonnenten einen Einblick in die Landtechnikwelt der Fachzeitschrift profi. In diesem Monat ist unsere Wahl auf einen Beitrag der Rubrik "Gebraucht" gefallen.

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Die mit dem (Novo)Grip

Gebrauchte Krone Comprima Rundballenpressen

Krone bietet die Comprima bereits seit 2007 an. Dabei hat man bei der Art des Pressverfahrens die Qual der Wahl: entweder vollvariabel, semivariabel oder als Festkammerpresse. Wir haben uns für Sie einige gebrauchte Press-Wickel-Kombinationen angesehen.

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  • KRONE COMPRIMA CV 150 XC: Äußerlich und technisch okay, hat allerdings den Wickeltisch mit alten Führungsrollen.

    KRONE COMPRIMA CV 150 XC: Äußerlich und technisch okay, hat allerdings den Wickeltisch mit alten Führungsrollen.

    Foto: Alexander Bertling

Bild 2 von 3
 
Seit gut 40 Jahren baut das Unterneh­men Krone aus Spelle Rundballen­pressen. Und seit gut 40 Jahren nut­zen sie zum Formen der Ballen eine Stabkette. Zunächst wurde noch ein abge­wandelter Kratzboden aus dem Miststreuer Optimat in die Festkammer-Presse KR 180 eingebaut.
Aufgrund der immer höheren Ansprüche wurden bald darauf aber eigens für die Pressen entwickelte Stabkettenelevatoren (wie beispielsweise in der Vario-Pack) ver­wendet.

2007 ging man mit der Vorstellung der Comprima noch einen Schritt weiter: Es wurden keine umlaufenden Ketten mehr montiert, sondern Gummi-Gewebegurte mit dazwischen geschraubten Stableisten, der sogenannte NovoGrip (Test profi 2/2009).
Nach anfänglichen Problemen führte Krone einige konstruktive Änderungen an den Geräten durch, die sich im Modellkalender ablesen lassen. Auch wurden viele Maschi­nen der ersten Generation auf Kulanz umge­rüstet, wie z. B. mit stärkeren Antriebswel­len, auf die wir im späteren Verlauf eingehen.

 

Video: Oster-Spezial: Krone Comprima CF 155 XC

Vor 10 Jahren haben wir zum ersten Mal mit Dennis Brandt zusammen gearbeitet. Sehen Sie hier die aufwändig restaurierte Version unseres Clips passend zu unserem aktuellen Gebraucht-Beitrag.

Durch die große Modellvielfalt lassen die Pressen im Hinblick auf die Ballengröße und Schnittlänge des Ernteguts kaum Wün­sche offen.

Zum einen gibt es die Solo-Ma­schinen: Die mit V gekennzeichneten Maschi­nen beschreiben die vollständig variablen Modelle mit Ballengrößen von 1,00 bis zu 2,05 m im Durchmesser.
Stößt man auf eine Presse, deren Bezeich­nung mit F beginnt, handelt es sich um eine Festkammerpresse mit 1,25 m Ballendurch­messer oder um das semivariable Modell mit in sechs Stufen einstellbaren Ballengrö­ßen von 1,25 bis 1,50 m. Bei den Press-Wickel-Kombinationen gesellt sich vor die eigentliche Bezeichnung der Buchstabe C für „Combi“.
Ob die Maschine mit einem Schneidwerk ausgerüstet ist, erkennt man an der Endung XC für die Bezeichnung „XCut“. Zur Wahl steht ein Schneidwerk mit 17 oder 26 Mes­sern.
Die Solomaschinen gibt es zudem auch ohne Schneidwerk.


Marktübersicht: Die verschiedenen Modelle der Krone Comprima Rundballenpresse

Modell Kammerprinzip Ballendruchmesser
Comprima F 125 (XC) fest 1,25 m
Comprima F 155 (XC)*1 semivariabel 1,25 - 1,50 m
Comprima V 150 (XC)*1 variabel 1,00 - 1,50 m
Comprima V 180 (XC) variabel 1,00 - 1,80 m
Comprima V 210 XC variabel 1,00 - 2,05 m
Comprima CF 155 XC*1 semivariabel 1,25 - 1,50 m
Comprima CV 150 XC*1 variabel 1,00 - 1,50 m
(XC) = Schneidwerk optional; *1 = auch als X-treme erhältlich

Wichtig ist, dass man sich im Vorhin­ein Gedanken um das Pressorgan macht
— was passt auf meinen Betrieb?
Mit der vollvariablen Variante der Comprima lassen sich sehr gleichmäßig verdichtete Ballen in beliebiger Größe formen, doch sind diese Modelle durch ihre zwei umlaufenden Rollböden komplexer aufgebaut und in der Bauform länger als die anderen Versionen.

Wer hauptsächlich Heulage und Silage pres­sen möchte, ist mit der semivariablen oder Festkammer-Variante gut bedient. In diesen Modellen ist nur ein umlaufender Rollboden eingebaut.
Ein kleiner Nachteil gegenüber der vollva­riablen Variante sind sicherlich die fix vor­gegebenen Ballengrößen und der nicht so fest geformte Ballenkern bei der reinen Festkammerpresse. Doch wie man es von anderen Festkammerpressen kennt, kann die Ballendichte durch die Fahrgeschwindig­keit und die Zapfwellendrehzahl beeinflusst werden.

Wer hingegen nur nasse Silage pressen möchte, kann sich nach einer X-treme-Vari­ante umschauen. Krone erhöhte bei diesem Modell die Drehzahlen der Förderaggregate und des NovoGrips und verstärkte die Ket­tentriebe nochmals.

Auf fehlende Zinken und abgenutzte Pick-up Bleche ist zu achten.

Foto: Alexander Bertling

Beginnen wir aber vorne bei der Pick-up.

Positiv anzumerken ist zunächst, dass Krone seit Produktionsstart auf die ungesteuerte Pick-up EasyFlow mit einer Arbeitsbreite von 2,15 m setzt.
Der Vorteil, der sich hieraus ergibt, sind weniger beweg­liche Teile, da die fünf Zinkenträger fest montiert sind.
Trotzdem sollte man beim Gebrauchtkauf auf den Zustand der Pick-up-Bleche und Zinken achten. Fehlen viele Zin­ken oder sind die Bleche verbogen, ist dies ein Hinweis auf viel Bodenkontakt und man­gelnde Wartung.

Die Aufhängung der Tasträder wurde neu angeschweißt.

Foto: Alexander Bertling

Apropos Bodenkontakt: Damit es nicht zur unfreiwilligen Erdaufnahme kommt, sind links und rechts serienmäßig fest angebaute Tasträder montiert. Hier lohnt sich ein Blick auf die einstellbaren Hebel, an denen die Räder befestigt sind.
Semiprofessionelle Reparaturen nach dem Kontakt mit einem Weidezaunpfahl oder einem anderen Hin­dernis sind hier keine Seltenheit.

Eine besondere Anordnung der Pick-up-Zin­ken haben zudem die Pressen ab Ende 2017: Die Zinken sind nicht wie gewohnt in gera­den Reihen angeordnet, sondern W-förmig zueinander.
So soll das Erntegut von den Seiten nach innen und von der Mitte leicht nach außen transportiert werden, um eine gleichmäßige Beschickung des Rotors zu erzielen.

 
Womit wir beim Rotor wären:

Prakti­ker bestätigten uns, dass die Schnittqualität der Schneidrotoren mit Einzelmessersiche­rung gut ist. Dabei hat man die Wahl zwi­schen dem XCut-Schneidwerk mit 17 oder dem MultiCut-Schneidwerk mit 26 Messern. Die theoretische Schnittlänge beträgt je nach Schneidwerk 64 oder 42 mm.

Starke Abnutzung der Rotorzinken führt zu Qualitäts- und Leistungsverlusten.

Foto: Alexander Bertling

Die Zinken der Schneidrotoren sind eben­falls so angeordnet, dass das Erntegut von innen nach außen gefördert wird, um genug Masse an die Ballenkanten zu fördern. Ganz besonders muss man beim Gebrauchtkauf allerdings auf die Rotorzinken achten.

Bei Pressen mit hoher Laufleistung oder nach häufigem Kontakt mit Steinen können diese bereits stark abgenutzt oder teilweise sogar abgebrochen sein.
Auch kann eine einseitige Abnutzung der Zinkenpaare darauf hinweisen, dass die Messer nicht gerade zwischen den Zinken­paaren stehen.

Sind auf der Rotorwelle zwi­schen den Zinken zudem Einschnitte zu erkennen, deutet dies auf einen nicht zurückgestellten Messerboden nach Erneu­erung des Messersatzes hin.
Klar ist, dass unter einem stark verschlissenen Rotor die Schneidqualität und Förderleistung leiden. Und ein Austausch-Rotor ist kein Pappen­stiel: Kauft man ihn neu, schlägt er je nach Ausführung mit bis zu 2 800 Euro (alle Preise ohne Mehrwertsteuer) zu Buche.


Teuer ist bei der Erneuerung auch der Stabkettenelevator NovoGrip.

Gurtbänder auf Beschädigungen und Einschnitte prüfen.

Foto: Alexander Bertling

Je nach Modell fallen hier schnell mehrere Tau­send Euro an. Da es sich um das Herzstück der Presse handelt, heißt es bei der Besich­tigung auch hier: Augen auf!
Gerade die Gurtbänder, die je nach Modell unterschied­lich breit ausgeführt sind, müssen auf sicht­bare Beschädigungen und Ein­schnitte geprüft werden.
Die Gurte können sich im Laufe eines Lebenszyklus schon mal um 2 % längen. Modelle der ers­ten Generation wurden deshalb noch mit versetzbaren Spann­rollen ausgerüstet.

Ab 2009 wurden die Spannele­mente aber so verändert, dass die Gurte auch bei hohen Lauf­leistungen immer die nötige Vorspannung besitzen. Bei den vollvariablen Modellen kann der Pressdruck hydraulisch zwischen 50 bis 180 bar angepasst wer­den.

Ebenfalls besteht die Möglichkeit, durch einen mechanisch einstell­baren Anschlag den Kern des Bal­lens weicher zu formen. Vor allem bei sehr trockenem und brüchigem Material kann es sonst passieren, dass das Erntegut durch die Ketten nach außen her­ausgedrückt wird und so für hartnäckige Verstopfungen an den Umlenkrollen und hinter dem Netzkasten sorgt.
Mit der soge­nannten Weichkernfunktion kann der Bal­lenstart laut Krone aber erleichtert werden.


Wenn man schon bei den Gurtbän­dern ist, lohnt sich noch ein Blick auf die Verschraubungen der Leisten.

Alte Variante mit Schrauben und Muttern.

Foto: Alexander Bertling

Diese sind in einem Abstand von 15 cm zueinander angebracht.
Bis 2009 wurden sie mit Schrauben und Muttern an dem Gurt befestigt. Die Verschraubung führte aller­dings aller­dings nach einigen 1 000 Ballen zu Riefen in den gummierten Umlenkrollen, die Krone daraufhin an allen Pressen tauschte.
Abhilfe schaffte das Unternehmen dann mit in die Stabhalter gebohrte Gewinde und der zusätzlichen mechanischen Verpressung von Schrauben und Stabhalter.
Bei der Sicht­kontrolle sollte man dennoch auf Verfor­mungen der flachen Stabhalter und Ausrisse an den Gurten achten.

 

Betrachten wir nun die Antriebe:

Die Hauptkettenantriebe der X-treme-Modelle.

Foto: Alexander Bertling

Wie schon anfangs erwähnt, wurden der Haupt­antrieb und die Lagersitze bei allen Model­len ab 2009 verstärkt.

Die Antriebswellen, die von dem mittig über der Pick-up ange­ordneten T-Getriebe abgehen, wurden um 5 mm im Durchmesser vergrößert.
Außer­dem sind die außen liegenden Lagersitze beider Wellen verstärkt worden. Bei vielen älteren Modellen wurden diese Änderungen im Nachhinein nachgerüstet.

Einfach erkennt man das an den Zentrier­schrauben der äußeren Lagersitze: Entspre­chen diese der Größe M 12, handelt es sich um die verstärkte Ausführung.  Wie bei allen Rundballenpressen müssen zudem die Ket­tentriebe überprüft werden.
Je nach Belas­tung halten diese etwa 5 000 bis 10 000 Bal­len.

Sind die Ritzel stark verschlissen oder weisen die Ketten sichtbare Verschleißspu­ren an den Außenkanten der Glieder auf, kann ein baldiger Wechsel erforderlich wer­den.

Druckaufbau nach manuellen Hüben kontrolliert die Zentralschmierung.

Foto: Alexander Bertling

Die Versorgung der Ketten mit Öl erfolgt durch eine Zentralschmieranlage.
Eine kleine Pumpe, die durch eine Exzenter­scheibe angetrieben wird, fördert kontinu­ierlich Öl zu den Ketten.  Sie ist auf der vor­deren linken Seite der Presse nach dem Öffnen der Hauptabdeckung zu finden.

Drückt man den Kolben der Pumpe ein paar Mal zurück, sollte sie Druck aufbauen - ein Indiz dafür, dass die Zentralschmierung noch ordnungsgemäß funktioniert.
Für alle fett­geschmierten Lager gibt es leider keine Zen­tralschmierung.
Dafür fasst Krone bereits seit Produktionsstart 2007 alle Schmier­punkte in Schmierblöcken zusammen, was die Wartung deutlich erleichtert und Zeit spart.

 

Wenig Klagen kommen über den Wickeltisch und die Ballenübergabe der Press-Wickel-Kombinationen.

Wickeltisch mit Kunststoff-Führungsrollen.

Foto: Alexander Bertling

Bei älteren Modellen bis 2010 wurden zur seit­lichen Führung des Ballens Stahlrollen ver­wendet.
Da diese nicht weit genug über der Wickelmulde hervorstehen, kann es bei leichten Hanglagen oder ungleichmäßig gepressten Ballen dazu kommen, dass die Folie auf dem Ballen durch die seitlichen Bleche beschädigt wird.
Abhilfe schaffte Krone ab 2010 durch deut­lich größere Kunststoffrollen, die den Bal­len seitlich besser führen. Angetrieben wer­den der Wickeltisch und die Ballenübergabe durch die Onboard-Hydraulikanlage mit 30-Liter-Ölvorrat.
Das Ölfilter der Anlage befindet sich auf der linken Maschinenseite. Neuere Maschinen haben zusätzlich eine Schmutzanzeige am Filter. Ein genauer Blick lohnt sich auch hier, da der Filterwechsel in vielen Fällen vernachlässigt wird.

 

Marktübersicht: Der Modellkalender der Krone Comprima Rundballenpressen

2007 Markteinführung
2008 Materialstärke des Stabhalters wird um 40 % erhöht. Optimierungen an der Messerkontur und der Messereinzelsicherung. Verstärkung der Ketten, Kettenspanner und Ritzel.
2009 Verstärkung des Hauptantriebs durch größere Wellen und verstärkte Lagersitze. Verschraubung der Stäbe wird geändert und verstärkt.
2010 Seitlicher Konus zur Führung des NovoGrips wird bei den vollvariablen Maschinen eingeführt. Die Gummilaufrollen werden bei den Festkammerpressen durch Stahlrollen ersetzt. Der Wickeltisch bekommt neue seitliche Führungsrollen aus Kunststoff. Zudem wird die Mulde des Wickeltisches angepasst. Die Comprima wird ISO-Bus-fähig.
2011 Die variable Solomaschine V 210 ergänzt das Produktprogramm und ermöglicht nun das Pressen von Ballen bis 2,05 m Durchmesser.
2012 Einführung der optionalen hydraulischen Messergruppenschaltung mit 8 oder 9 Messern beim 17-Messer-Schneidwerk oder 13 Messern beim 26-Messer-Schneidwerk.
2013 Einführung der neuen Bindeeinrichtung mit einer Breitziehspirale und einem Breitziehrohr für die Mantelfolienbindung. Vorstellung der verstärkten Variante „X-treme“. Einführung des neuen Ballenaufstellers für die Press-Wickel-Kombinationen.
2017 Einführung der neuen Pick-up mit überarbeiteter Zinkenanordnung und „Facelift“ der Presse zur Agritechnica.
Fazit:
Je nach Modell und Ausstattung ist die Preisspanne groß. Während man gut gebrauchte Solo-Maschinen aus den ersten Baujahren schon für 15 000 bis 20 000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) bekommt, muss man für gute Press-Wickel-Kombinationen meist deutlich mehr als 20 000 Euro auf den Tisch legen.

Wichtig ist, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, welches Kammerprinzip man bevorzugt.
Bei der Besichtigung sollte dann genau auf den Stabkettenelevator, den Rotor und die Antriebe geachtet werden.





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Gebrauchte Krone Comprima RundballenpressenUmfang: 5 Seiten

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05/2019

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Praxistest Krone Press-Wickel-Kombination Comprima CF 155 XCUmfang: 4 Seiten

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