Traktorenproduktion: In Kanada preiswerter als in Russland

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Russlands Regierungs-Chef Putin habe ihn gebeten, ausführlicher zu begründen, warum die Schlepperproduktion der Versatile-Knicklenker von Buhler Industries nicht aus Kanada nach Russland verlegt wird. So erklärt Konstantin Babkin als Miteigentümer der russischen Rostselmash-Gruppe, weshalb er einen detaillierten Vergleich der Produktionskosten zwischen Russland und Kanada erstellt hat.

Weil Rostselmash in beiden Ländern Werke hat (im kanadischen Winnipeg z.B. die Fertigung der Versatile-Knicklenker und von Pflanzenschutzgeräten, im russischen Rostow am Don beispielsweise die Produktion von Rostselmash-Mähdreschern), ist der Vergleich interessant. Danach gibt es bei zehn verglichenen Merkmalen der Produktionskosten nur zwei, die für Russland sprechen:

  • Die Arbeitskosten. Die Löhne im russischen Rostow am Don hätten 2012 nur etwa zwei Drittel der Kosten im kanadischen Winnipeg ausgemacht. Allerdings seien die Nebenkosten wiederum in Russland höher: Für einen Rubel Nettolohn fielen hier Gebühren und vor allem Steuern in Höhe von 81 Kopeken an, in Kanada seien dies nur umgerechnet 71 Kopeken.
  • Die Gaskosten. Hier könne eine nach Russland verlagerte Produktion jährlich etwa 657.000 Dollar sparen. Damit seien aber alle Vorteile für Russland erschöpft, denn die übrigen acht Vergleichspunkte fielen zugunsten Kanadas aus:
  • Der Stromtarif sei in Russland etwa mehr als doppelt so hoch wie in Kanada (3,7 Rubel pro kW zu 1,7 Rubel pro kW). Das mache pro Jahr mit 2.1 Millionen Dollar Mehrkosten die preiswerteren Gaspreise mehr als wett.
  • Die Frachtkosten zeigten Ähnliches, hier würden in Russland Mehrkosten von etwa 4,1 Millionen Dollar anfallen.
  • Die Finanzierungskosten sind für die Unternehmensentwicklung stets ein wichtiger Punkt. Hier seien die Zinskosten in Russland etwa fünfmal höher als in Kanada.
  • Ein interessanter Punkt sind die Ausgaben für die Sicherheit und Bewachung. Im kanadischen Werk gebe es vier Mitarbeiter, eine vergleichbare Bewachung in Russland benötige – 150 Mitarbeiter. Allein dies würde pro Jahr zusätzliche Kosten von etwa 900.000 Dollar in Russland verursachen.
  • Die Mehrkosten für Bürokratie, komplizierte Buchführung und Steuer-Erstellung sowie für zusätzlichen Behörden-Aufwand beziffert Babkin in seinem Vergleich auf etwa eine Million Dollar in Russland.
  • Die Steuern selbst sind aber der größte Posten im Vergleich zwischen Russland und Kanada als Produktionsstätte: Im kanadischen Winnipeg sei die Steuerlast um jährlich 26,1 Millionen Dollar niedriger als in Rostow am Don.
  • Auch bei einem Vergleich der Beihilfen für die Landwirtschaft schneidet Russland in Babkins Vergleich schlechter ab. In Kanada hätten die Landwirte 2011 etwa 160 Dollar Subventionen pro Hektar erhalten, in Russland seien es umgerechnet nur 40 Dollar pro Hektar gewesen. Das beeinflusse natürlich auch die Kaufbereitschaft der landwirtschaftlichen Betriebe im Land: In Kanada sei im ersten Halbjahr 2013 der Absatz von Traktoren um 8 % und der von Mähdreschern um 21 % gestiegen – in Russland sei der Absatz im gleichen Zeitraum gesunken, und zwar bei Traktoren um 13 % und bei Mähdreschern um 26 %.
  • Schließlich vergleicht Babkin auch die Infrastruktur: In Kanada ermöglichen gute Straßen ohne Staus eine Produktion „just in time“, das spare im Vergleich zu Russland erhebliche Kosten für Lager, Personal und Produktion.

Unter dem Strich kommt Konstantin Babkin zu dem Ergebnis, dass sich die Verlagerung der Produktion der Versatile-Traktoren von Kanada nach Russland wirtschaftlich nicht sinnvoll wäre, weil dadurch höhere Kosten und höhere Produktpreise entstehen. Das werde auch durch die Umsatzentwicklung bestätigt:

In Kanada haben sich die Umsätze von 2008 bis 2012 in vier Jahren von 219 auf 361 Millionen Dollar um 170 Prozent erhöht; in Russland stiegen sie im gleichen Zeitraum von 512 auf 539 Millionen Dollar nur um 5 Prozent.

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