Agravis: Zuwachs beim Umsatz, Abstriche beim Ergebnis

Im Raiffeisen-Jubiläumsjahr strebt die Agravis Raiffeisen AG eine neue Unternehmensstrategie an, die Umsatz bringen soll, aber nicht unbedingt Raiffeisens Grundideen entspricht.

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Die Agravis Raiffeisen AG hat heute in Münster ihre Bilanzkennzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 vorgestellt. Der Umsatz ist auf 6,4 Mrd. Euro gestiegen, gegenüber dem Vorjahr war dies ein Plus von 3,8 %. Damit schließt die Agravis langsam wieder zu den besseren Vorjahren auf (2016: 6,94 Mrd. Euro und 2015: 7,4 Mrd. Euro). Auch der operative Ertrag vor Steuern (EBIT) war mit 74 Mio. Euro zufriedenstellend. So genannte "Einmal-Effekte" drückten aber das Ergebnis vor Steuern deutlich auf 25,3 Mio. Euro, das sind nur 40 % des Vorjahreswertes von 41,6 Mio. Euro. Daraus resultiert eine Umsatzrendite von 0,4 %, in den Vorjahren lag diese bei etwa 0,67 %. Mit "Einmal-Effekten" ist beispielsweise die Auflösung einer Gesellschaft und die Veräußerung der zugehörigen Immobilien gemeint sowie die Rückstellungen für Personalmaßnahmen: In 2017 hat die Agravis 200 Stellen abgebaut. Außerdem drücken das Ergebnis die kostenintensive Neuordnung der Ceravis AG, an der die Agravis beteiigt ist, sowie geplante Ausgaben für neue Gesellschaften.
Das Eigenkapital blieb mit 563 Mio. Euro (VJ: 567 Mio. Euro) nahezu konstant, die Eigenkapitalquote sank von 31,3 % im Vorjahr auf 29 % im Berichtsjahr, dieser Rückgang ist auf die gestiegene Bilanzsumme von 1,941 Mrd. Euro zurückzuführen. Die Zahlen wirken sich auch die Anteilseigner aus: Der Dividendenvorschlag des Vorstands liegt für 2017 bei 3,5 %, im Vorjahr waren es noch 5 %.

Gegen den allgemeinen Trend hat sich das Geschäftsfeld "Technik" behauptet: Der Umsatz stieg hier um 15 % auf 890 Mio. Euro. Das ist vor allem der steigenden Nachfrage sowohl im Neu- als auch im Gebrauchtmaschinenbereich zu verdanken. Im Gebrauchthandel haben die Plattform atc-trader.de und die Auktionsseite ab-auction.de wesentlich zum Ergebnis beigetragen.

Die Online-Plattform "myfarmvis" soll einen Nutzwert für Landwirte darstellen und das digitale Angebot von Agravis ausweiten. Vorgestellt wurde das Tool auf der Agritechnica 2017, inzwischen gibt es nach eigenen Angaben 3.000 registrierte Benutzer.

Zurzeit arbeitet die Agravis Raiffeisen AG an einer neuen Unternehmensstrategie namens "Hanse". Hier werden vor allem Wachstumsmöglichkeiten ins Visier genommen. Die Kundeninteressen, die Anforderungen der Kunden an die Agravis sowie die räumliche Nähe zum Kunden stehen im Mittelpunkt dieser Neuausrichtung. Die Ziele, die sich der Vorstandsvorsitzende Andreas Rickmers mit "Hanse" gesteckt hat, sind ambitioniert: "In den nächsten 5 bis 10 Jahren ist ein Umsatz von 10 Mrd. Euro angestrebt. Marktanteile wollen wir vor allem in bislang unbeackerten Gebieten und durch einen Verdrängungswettbewerb gewinnen."

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