Landwirtschaftliche Transporte in der DDR: Staatliche Ideenschmiede

Mit der Großraumbewirtschaftung entpuppten sich die Themen wie Transport oder Umschlag in der Landwirtschaft der DDR als riesige Baustelle. Ein kleines Institut kümmerte sich um Lösungen.

Dumper und Sattelauflieger

Bei dem Injektor von 1972 stammt der Dumper aus Ungarn und der Sattel­auflieger aus Annaburg. (Bildquelle: Privatarchiv Dr. Frank Uhlemann)

Gut zu wissen

- 1960 wurde das Institut für landwirtschaftliche Transporte mit Sitz in Meißen gegründet.
- Die Forschung, die Entwicklung und der Prototypenbau für universellen Transport, Umschlag und Lagerung waren für die gesamte DDR in Meißen konzentriert.
- Die Arbeiten im Institut deckten alle Bereiche der Außen- und Innenwirtschaft ab.
- Das Institut wurde 1991 ersatzlos geschlossen.
Die DDR ist Geschichte, ihre Landtechnik lebt jedoch in vielen Facetten weiter. Dazu gehören auch die landwirtschaftlichen Trans­porte. Und wie heute galt damals der Spruch: „Die Landwirtschaft ist ein Transportgewerbe wider Willen.“
Dies wurde in den landwirtschaft­lichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und auf den volkseigenen Gütern (VEG) ab den 1960er Jahren zunehmend zum Problem. Die Fachleute und politisch Verantwortlichen erkannten dies und gründeten 1960 in Meißen das Institut für landwirtschaftlichen Transport.

Von der Kegelbahn zur Versuchswerkstatt

Blicken wir kurz noch weiter zurück. Nach der 1945 begonnenen Bodenreform und der ab 1952 durchgeführten Kollektivierung fehlte es an moderner und schlagkräftiger Landtechnik. Zwar entstanden in den 1950er Jahren auf dem Boden der DDR aus den alten Landtechnik­unter­nehmen neue Fertigungsstätten für Landmaschinen. Doch die Kollektivierung stellte die Landwirtschaft vor allem beim Transport vor große Herausforde­rungen. Deshalb begannen ab 1960 an der Hochschule in Meißen im Institut für landwirtschaftlichen Transport entsprechende Forschungsarbeiten. Die Ausstattung war anfangs sehr bescheiden. So bauten die ersten Mitarbeiter, ein Diplom­ingenieur und drei Schlosser, eine alte Kegelbahn zur Versuchswerkstatt um.

Theorie und Praxis in einer Hand

Wer nun vermutet, dass die Forscher und Wissenschaftler in Meißen allein theore­tische Ausarbeitungen anfertigten und diese den Landtechnikern zu Verfügung stellten, liegt völlig falsch. Von Beginn an spielten der Prototypenbau und die Erprobung in der Praxis eine tragende Rolle. Lediglich Motoren, Getriebe, Achsen und manchmal ganze Traktoren oder Lkw zum Umbauen kamen von Zulieferern. Alle weiteren Geräte und Fahrzeuge konstruierten und bauten die Meißener Forscher komplett selbst.
Das Spektrum der neu entwickelten Geräte, Maschinen und Fahrzeuge deckte alle Bereiche ab, die mit Transport, Umschlag und Lagerung in der Landwirtschaft zu tun hatten. Zu Beginn ging es vor allem um Rationalisierungen und Grund­lagenexperimente, um die Arbeitswirtschaft in den immer größeren Betrieben zu entlasten. Dazu gehörten
  • das Auflösen von Strohballen,
  • Leichtgutaufbauten für Anhänger,
  • die Fertigung eines Aufbaus mit Verdichtungseinrichtung auf einem Kratzboden­anhänger, insbesondere für Strohhäcksel oder
  • die Entwicklung von Muldenkippern auf...

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