Kernbereich Landtechnik: CNH stellt sich für die Zukunft neu auf

CNH teilt sich in die Bereiche On- und Off-Highway. Wo Marken wie Iveco und FPT bleiben und was bei der Landtechnik geplant ist, verrät Vice President Sisto exklusiv im Interview.

Trecker

CNH Industrial will sich durch die Neuorganisation stärker auf seine einzelnen Geschäftsbereiche konzentrieren. (Bildquelle: CNH)

Bereits 2019 kündigte CNH Industrial eine Aufteilung in zwei Unternehmen an. Nach Verzögerungen durch Covid 19 kommt es nun zur Umsetzung. profi und top agrar sprachen gemeinsam mit Carlo Sisto, Vice President CNH Industrial, über die neuen Strukturen im Konzern, die Marken- und Produktstrategie sowie die aktuelle Produktions- und Liefersituation.
profi/top agrar: Herr Sisto, CNH Industrial stellt sich neu auf. Welche Veränderungen bringt das mit sich?
Sisto: Wir teilen CNH in die Bereiche On- und Off-Highway auf. Der On-Highway-Teil, also alles mit Bezug zum Straßenverkehr, mit Marken wie Iveco und dem Motorenhersteller FPT, wird zum neunen Unternehmen Iveco. Bei CNH Industrial bleibt der Off-Highway-Teil, also alles abseits der Straße. Das beinhaltet dann vor allem die Land- und Baumaschinen.
Was versprechen sie sich davon und welchen Nutzen können die Landwirte erwarten?
Sisto: CNH Industrial kann sich stärker auf diese Geschäftsbereiche konzentrieren. Das kommt auch in der Neuorganisation zum Ausdruck, die für das kommende Jahr angekündigt ist. Wir schaffen zum Beispiel eine Struktur mit weltweit vier Regionen. EMEA als eine davon umfasst Europa, den Nahen Osten und Afrika. Es gibt eine zentrale Verantwortlichkeit für Produktion, Service und Vertrieb in den Regionen. Damit wollen wir unsere Kunden und ihre speziellen Anforderungen noch stärker in den Fokus rücken. Ganz konkret stehen uns auch mehr Mittel für Forschung und Entwicklung zur Verfügung.
Am Markt sind sie mit mehreren Marken unterwegs. Wird sich daran etwas ändern?
Sisto: Die strategische Ausrichtung liegt bei unserer Geschäftsführung. Dort sind die Geschäftsbereiche Landtechnik, Baumaschinen und Finanzen gleichberechtigt vertreten. An unserer Multi-Marken Strategie mit den Kernmarken Case IH und New Holland sowie der regionalen Marke Steyr wird zunächst so bestehen bleiben. Die Umstrukturierung unserer Organisation hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die Struktur unseres Vertriebsnetzes.
Sie persönlich sind in Zukunft auch für die Produktion in EMEA zuständig. Wie erleben Sie die aktuelle Liefersituation?
Sisto: Aktuell kämpfen wir mit der allgemeinen Liefersituation, genau wie viele andere Unternehmen und Branchen. Engpässe gibt es zum Beispiel bei Kühlern oder Reifen. Das lässt sich aber teils noch kompensieren, da Reifen auch nach der Montage einfach getauscht werden können.
Deutlich problematischer ist es bei elektronischen Bauteilen wie Steuergeräten. Hier ist die Liefersituation besonders angespannt. Wir stehen dazu in engem Austausch mit unseren Zulieferern. Einen Bestellstopp, wie er teils in der Automobilindustrie vorkommt, sehen wir für uns aktuell nicht kommen. Im ersten Quartal des kommenden Jahres könnte sich die Situation eventuell etwas entspannen.
Wie ließen sich solche Engpässe künftig vermeiden? Sollten die Europäer besser selber Chips produzieren?
Sisto: Generell wäre es wünschenswert, wenn die Fahrzeugindustrie in diesem Bereich selbstständiger wäre. Ich glaube aber nicht, dass sich nach Ende der aktuellen Krise viel ändern wird. Denn Sie können in diesem hochspezialisierten Bereich nicht einfach mal eine Fertigung hochziehen.
Thema Produktpalette: Sie haben mit dem T6 Methane Power einen Traktor mit Methanantrieb entwickelt. Sehen Sie echte Marktchancen für den Traktor?
Sisto: Auf jeden Fall. Er ist mittlerweile über den Prototypenstatus hinaus und als T6 Methane Power bestellbar. Wir sehen bereits eine gute Nachfrage. Aktuell spricht der Traktor besonders Landwirte an, die progressiv auf neue und nachhaltige Technik setzen. Auch in Ländern, die eine solche Technik im Rahmen der CO2-Reduktion gezielt fördern, nehmen wir großes Interesse der Kunden wahr.
Haben Sie neben dem Biogastraktor noch weitere Ansätze im Bereich der alternativen Antriebe?
Sisto: Wir haben einen klaren Fahrplan zu diesem Thema und setzen auf drei Strategien. Das ist zum einen der Biogasmotor. Zum anderen glauben wir bei kompakteren Leistungsklassen an elektrische Antriebslösungen und bei größeren Traktoren an hybride Konzepte. Im März haben wir unsere Beteiligung am US-Unternehmen Monarch Tractor bekanntgegeben, das u.a. elektrische Antriebsstränge für Schlepper entwickelt.
Auch autonome Fahrzeugkonzepte haben Sie bereits vor einigen Jahren vorgestellt, zum Beispiel einen Case IH Magnum ohne Kabine. Wie geht es damit weiter?
Sisto: In autonom arbeitenden Maschinen sehen wir ein großes Potenzial und einen Schlüsselfaktor für weitere Produktivitätssteigerungen. Das gilt sowohl für den klassischen Ackerbau als auch besonders im Obst- und Weinbau. Dieses Thema ist ebenfalls wichtiger Teil unserer Strategie.
Monarch Tractors ist auf autonom arbeitende Traktoren in Sonderkulturen spezialisiert. Deshalb haben wir neben unserer Minderheitsbeteiligung Anfang November eine exklusive Lizenzvereinbarung geschlossen. Dabei geht es um die Entwicklung einer modularen elektrischen Plattform im unteren Leistungsbereich für Sonderkulturen.
Im Juni haben wir überdies die Übernahme von Raven bekanntgegeben. Das US-Unternehmen ist u.a. Spezialist für Precision Farming-Technologien. Wir sehen in diesen Bereichen großes Potenzial für CNH Industrial.
Herr Sisto, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führten Frank Berning (profi) und Guido Höner (top agrar).

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