Anhängespritze Fendt Rogator 355: Allein der Name...

...macht es nicht. Bereits 2015 stellte Challenger diex erste Anhängespritze vor, die seit 2017 im Agco-Konzern unter der Marke Fendt verkauft wird. Wir haben die Rogator 355 getestet.

Gut zu wissen

- Die Rogator 355 überzeugte mit ihrer Befüll-Leistung genauso wie mit der Gestängeführung.
- Kritik gibt es an Details wie der Restentleerung oder dem Rostschutz einiger Komponenten.
- Schlagerkennung und -verwaltung sind beispielhaft gut.

Rein optisch hat die Testspritze in „nature green“ mit silber-glänzendem Alu-Gestänge und modernem Design einen großen Auftritt. Doch weder Optik noch Name sind entscheidend, wenn es um den Praxistest geht.

Die Fendt-Spritzen stammen ursprünglich von AgChem im niederländischen Grubbenvorst und wurden zunächst unter der Marke Challenger verkauft. Heute werden die Spritzen im Fendt-Werk Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt gebaut, wo auch der Katana-­Häcksler gefertigt wird. Neben den Selbstfahrern ­Rogator 600 gibt es von der Anhängespritze Rogator 300 drei Modelle mit 4 400, 5 500 und 6 600 l großem Behälter.

Fendt Rogator: Solide Anhängung, viele Kabel

Bei der Untenanhängung für die K80-Kugel samt integriertem hydraulischem Stützfuß mit Sperrblock passt alles. Statt des kleinen Gestänges zur Ansteuerung der Lenkung per Potenziometer hätten wir aber ein Gyroskop zeitgemäßer gefunden. Zumal das Gestänge beim Traktorwechsel weder einfach verstellbar ist, noch Kalibrierungen für verschiedene Traktoren/Betriebe im Terminal hinterlegt werden können.

Noch weniger zeitgemäß sind die Kabelverbindungen: Fünf Kabel (teils mit Deutsch-­Steckern) muss man kuppeln: ISO-Bus, je eins für zwei Kameras, Beleuchtung und Joystick. Ein Thema, das Fendt angehen will.

Öl statt Zapfwelle

Sehr gelungen ist die Ölversorgung samt Pumpenantrieb über Power beyond. Eine Gelenkwelle ist nicht nötig. Selbst bei Traktoren mit einer 110-l/min-Ölpumpe konnten wir mit weniger als 1 500 Touren und einem Dieselverbrauch von etwa 1 l/ha arbeiten. Genauso schnell gewöhnt man sich daran, auch beim Befüllen im Standgas zu arbeiten und keine Zapfwelle mehr schalten zu müssen. Fehlt dem Schlepper eine passende Ölversorgung, gibt es optional eine zapf­wellen­getriebene Bordhydraulik. Platz für die Ölpumpe ist dann in der ansonsten etwas klobig geratenen Deichsel.

Das Bedienzentrum der Rogator auf der linken Seite hat keine Abdeckung, aber ein übersichtliches Bedienfeld für die bequeme Steuerung der elektrischen Ventile auf Saug- und Druckseite. So gibt es auch einen programmierbaren Befüllstopp, der allerdings nur die Pumpe stoppt und nicht den Hahn schließt. Das funktioniert z. B. bei hoch lagernden Behältern nicht.

Die Befüll-Leistung der Kreiselpumpe ist super. Wir haben 785 l/min mit dem originalen 3-Zoll-Saugschlauch gemessen. Was aber gar nicht geht, ist der Zugang zum Saug­filter: Er sitzt — wie auch der Hahn zur Rest­ent­leerung — unter der Maschine hinter einer Klappe. Und um zum Einwintern den Bypass für die Hydrantenbefüllung demontieren und entwässern zu können, müssen Sie tatsächlich den linken Kotflügel der Spritze demontieren.

Dieser Bypass lässt sich auch nicht aktiv spülen, kann sich aber in der Steigleitung mit Brühe füllen, da ein Rückschlagventil den Abfluss verhindert. Das kann für sehr böse Überraschungen sorgen.

Anhängespritze: Große saugstarke Schleuse

Die 60 l große Einspülschleuse muss man immer mit zwei Händen ein- und ausklappen. Außerdem bleibt der Deckel in seiner senkrechten Position nur ungern offen, und er bietet so auch keine Tropfablage z. B. für gespülte Kanister.

Apropos Ablagen: Links gibt es eine Tür mit Ablagen, die aber leider weder staub- noch wasserdicht sind. Außerdem ist in der Tür der Handwaschbehälter integriert, der gefüllt die Scharniere und den Gasdruckdämpfer überfordert.

Nicht so schnell...


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