Mähdrescher-Wettbewerb 2020: Wer die Musik bestellt… Plus

Wenn ein Mähdrescher-Hersteller einen Wettbewerb veranstaltet, bei dem er bis zu 25 000 Euro für eine höhere Druschleistung der Konkurrenz-Maschine auslobt, erregt das viel Aufmerksamkeit. Doch was steckt dahinter? Zu den Methoden bei Mähdreschervergleichen hier ein Statement von Prof. Dr. Thomas Rademacher von der TH Bingen.

Mähdreschertests sind, zum Beispiel im Vergleich zu Messungen an Traktoren, extrem komplex, weil die Ergebnisse in einem hohen Maße von den Erntebedingungen und den Maschinen­einstellungen abhängen. Wen wundert es daher, dass seit dem Mähdreschertest von profi im Jahr 2000 keine Ergebnisse von Vergleichstests mehr pub­liziert wurden.

Da sich die Druschleistungen einiger Mähdrescher aufgrund der immer ausgefeilteren Dresch- und Abscheidetechnik oft nur in geringem Maße unterscheiden, hängen Sieg oder Niederlage bei einem solchen Vergleich viel mehr von den Eigenschaften der Druschfrüchte und von der Tagesform des Einstellpersonals als von der Technik ab.

Zugeschnittene Spielregeln

Für die Durchführung eines Tests gibt es sogar eine ISO-Norm, die allerdings veraltet ist. Folglich hat die Industrie wenig bis kein Interesse an öffentlichen Vergleichstests. Denn fast jeder könnte als Verlierer dastehen — und das nur, weil die Bedingungen und Umstände gerade nicht passten.

Die DLG hat in den 1990er Jahren sogar Mähd­rescherprüfungen am Seitenhang durchgeführt. Untersuchungen aus Kanada zeigen, dass ein Schüttler-Mähdrescher mit einem Reinigungs-Hangausgleich bei 5 Grad (oder 8,75 %) Seitenhang bei deaktiviertem Hangausgleich und gleichem Kornverlust­niveau nur noch knapp 25 % der Drusch­leistung mit aktiviertem Hangausgleich bringt.

Hersteller, die nicht über einen Reinigungs-­Hangausgleich verfügen, können die Drusch­­leistung ihrer Großmaschinen mit Raupenlaufwerk folglich nur in der Ebene zeigen. Denn ein Fahrwerk-Hangausgleich mit Raupe funktioniert am Seitenhang nicht. Deshalb werden die Spielregeln für die „Combine Challenge“ von diesem Hersteller entsprechend formuliert — keine Hang­neigung!

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Diskussionen zum Artikel

von Gottfried Eikel

Unbedingt gleiche Bedingungen!

Lieber Herr Hoppe, Sie haben recht, zur Vergleichsmessung zweier Maschinen braucht es unbedingt gleiche Bedingungen! Das hat Prof. Rademacher in seinem Beitrag auch nicht anders formuliert. Er hat auch nicht geschrieben, dass nur Maschinen mit Raupenfahrwerken eingesetzt werden. Das ... mehr anzeigen

von Michael Hoppe

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Wer sagt das die Maschinen nur auf Raupen fahren? Was ist falsch daran dafür zu sorgen das die Bedingungen möglichst gleich sind?

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