Fahrbericht

Pneumatikstreuer Horsch Leeb Xeric 14 FS: Düngst du noch, oder LEEBst du schon?

Zugegeben, die Überschrift hatten wir ähnlich schon bei der ersten Leeb Selbstfahrspritze im Jahr 2017. Aber auch beim neuen Pneumatikstreuer von Theo Leeb passt sie einfach.

Großflächenstreuer — dem Namen wird der Horsch Leeb Xeric 14 FS allemal gerecht. (Bildquelle: Wilmer)

Die Vorteile eines pneumatischen Düngerstreuers liegen auf der Hand: Auch Dünger mit schwie­rigen Flugeigenschaften lassen sich — selbst bei stärkerem Wind — gleichmäßig auf großen Arbeitsbreiten verteilen. Außerdem erlauben mehrere Teilbreiten ein genaueres Streuen in Ausläufern. Und nicht zuletzt eröffnen sich neue Möglichkeiten bei der teilflächen-­spezifischen Düngung, da die Dosierer einzeln angesteuert werden können.
Auf der anderen Seite steht der ungleich höhere bauliche Aufwand, der sich natürlich im Preis niederschlägt. Von Verschleiß und Reinigung ganz zu schweigen.
(Quelle: profi)

Vorbild Tandemspritze

Nach der Entwicklung und Vorstellung der Tandemspritze TD (profi 10/2020) hat Horsch Leeb all´ das aber nicht geschreckt. Viele Kunden der Spritze wünschen sich schließlich auch einen großen Pneumatik-­Streuer mit der BoomControl-Gestängeführung sowie dem allradgelenkten BPW-­Tandemfahrwerk. Denn damit sind dank 2,40 m Achsabstand bis zu 2,19 m hohe Räder sowie 24 t Gesamtgewicht möglich.
Sogar das Konzept der Stützlast-optimierten Behälterentleerung hat Konstrukteur Theodor Leeb mit seinem Team beim Xeric 14 FS durch entsprechende Abdeckklappen über der Bodenschnecke realisiert. Die Klappen öffnen automatisch von hinten nach vorne, um beim Entleeren immer die maximal mögliche Stützlast zu halten.

Dosierbehälter auf Gestänge

Ohnehin ist die Düngerförderung von der Bodenschnecke über eine Steigschnecke (je 150 mm Durchmesser) hin zur 120-mm-Schwenkschnecke im Gestänge-Parallelogramm ein Kunstwerk für sich. Gesteuert wird der hydraulische Antrieb aller drei Schecken über separate Füllstandssen­soren mit Endabschaltung. Letztendlich gelangt der Dünger so in einen 200 l großen Dosierbehälter. Der steht hinten oberhalb des Gestänges auf vier Wiegestäben und ist das precision calibration system.

Zwölf Teilbreiten

Im Boden des Dosierbehälters sind dazu insgesamt zwölf, etwa 30 cm lange, sogenannte Dosierrotoren — in Fahrtrichtung liegend nebeneinander — integriert. Dabei handelt es sich um eine Art Förder­schnecken, die einzeln hydraulisch angetrieben das Streugut von der Mitte zu den jeweiligen Auslässen vorne und hinten am Dosierbehälter transportieren.
Von dort wird das Material dann pneumatisch durch Kunststoffrohre mit 70 mm Innen-Durchmesser zu den einzelnen Auslässen geblasen. Je nach Rohrlänge sorgen dabei unterschiedlich große Reduzierblenden dafür, dass an den äußeren Düsen entsprechend mehr Luft für den sicheren Düngertransport zur Verfügung steht. Dass der Dünger im Gestänge quasi nur einmal die Richtung ändert, soll den Verschleiß genauso auf ein Minimum reduzieren, wie eine spezielle Rohr-Beschichtung.
Erzeugt wird die Luft für den Düngertransport von zwei Radialgebläsen hinter dem Hauptbehälter. Diese werden von einer zapfwellengetriebenen Bordhydraulik mit Öl versorgt und saugen die Luft durch zwei Ölkühler an. Das hat den großen Vorteil, dass gerade an der Küste die morgendliche, nebelfeuchte Luft aufgrund der Erwärmung deutlich weniger problematisch ist, was Verklebungen in den Rohren angeht.

Anders als die Gebläse werden sämtliche Förderschnecken sowie die Gestängeführung über das Power beyond vom Schlepper mit Öl versorgt. Und hier sind tatsächlich bis zu 200 l/min Ölfördermenge nötig, wenn alle Schnecken arbeiten. Da kam der vorgespannte Claas Axion 870 mit seiner 150-l/min-Pumpe an seine Grenzen.

Über 18 Tonnen pro Stunde

Das erklärt sich, wenn man die Düngermengen betrachtet, die man mit dem Xeric ausbringen kann. So schaffte es der Betrieb, bei dem wir den 36-m-Streuer eingesetzt haben, bei 300 kg/ha und rund 22 km/h stolze 13,8 t Dünger in nur 45 Minuten zu verteilen — einschließlich Wendezeiten!
Möglich sind die hohen Fahrgeschwindigkeiten natürlich nur mit einer guten Gestängeführung. Dabei sollen die in 1,50 m Abstand zueinander angeordneten Düngerdüsen laut Horsch auch 1,50 m über den Bestand geführt werden.
Das Gestänge mit dem — von der Spritze bekannten — BoomControl-System über Ultraschallsensoren zu steuern, schlug allerdings fehl. Grund waren offensichtlich die von den Düngerkörnern verursachten Vibrationen. Beim Xeric kommen deshalb jetzt Radarsensoren zum Einsatz. Bei 36 m zwei Stück, bei 48 m vier Stück. So ist auch BoomControl Pro mit einer Anwinkelung des Gestänges möglich.

Alles Weitere in Kürze

  • Mit verschiedenen Dosierrotoren sollen künftig verschiedenste Streugüter ausgebracht werden können. Aktuell sind 20 bis 400 kg/ha bei bis zu 15 km/h möglich.
  • Der Haupt- und Dosierbehälter stehen für den besseren Düngertransport unter Druck. Der Deckel des Hauptbehälters öffnet hydraulisch (Einfüllhöhe: 3,75 m).
  • Oben im Behälter gibt es optional eine Schnecke, die den Dünger bei heckseitiger Beladung nach vorne transportiert.
  • Die Förderschecken sind aus Edelstahl und liegen teils auch in einem VA-Bett.
  • Zum randscharfen Grenz­streuen ist eine Einrichtung in Vorbereitung.
  • Für die Isobus-Bedienung wird es zur Serie das Horsch eosT10 geben.

Fazit

Horsch stößt mit dem Leeb Xeric 14 FS in eine neue Dimension bei pneumatischen Düngerstreuern vor. Egal, ob 14 m3 Behälter, 2,19 m hohe Tandembereifung mit Allradlenkung oder bis zu 48 m Arbeitsbreite — es gibt einige Alleinstellungsmerkmale. Dazu gehört vermutlich auch der Preis, der aber erst im Sommer 24 bekannt wird. Umso gespannter sind wir, wie oft es dann künftig heißt: „Düngst du noch, oder LEEBst du schon?“.

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