Stallbeleuchtung: 7 Mythen - Wissenschaft gegen Volksglauben

Über die richtige Beleuchtung von Ställen wurde schon viel geschrieben. Einiges davon stellt Dr. Daniel Werner vom Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Frage.

Gut zu wissen

- Eine gleichmäßige Ausleuchtung des Milchviehstalls ist wichtiger als eine Stallbeleuchtung mit ­hellen und dunklen Ecken.
- Für effektives Arbeiten mit Spaß muss das Stalllicht vor allem dem Landwirt gefallen.
- Das für die Tiere störende Flackerlicht erkennt man mit dem Handy.
- Die Aussagen von Dr. Werner basieren auch auf Forschungen mit Ethologen für Nutztierhaltung.

Hell, heller, am hellsten! Mit diesen Worten lässt sich wohl der Überbietungswettkampf in Sachen Stallbeleuchtung der letzten Jahre gut beschreiben. Tatsächlich sind wir an so mancher Stelle sogar übers Ziel hinausgeschossen, dessen ist sich Dr. Daniel Werner sicher. Der Wissenschaftler beschäftigt sich seit seiner Promotion mit dem Thema Stalllicht und seiner Wirkung auf das Tier.

Basis seines Wissen sind verschiedenste Forschungsarbeiten wie dem I_LED-Milchvieh-Projekt, an dem unter anderem auch Ethologen wie Prof. Dr. Klaus Reiter und Prof. Eberhard von Borell beteiligt sind. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind dabei nicht nur interessant, sondern lassen aufhorchen. Etwa, weil das Bedürfnis von Schweinen wissenschaftlich betrachtet nicht zu den Auflagen der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung passt.

Vergleich: Mensch und Tier

Technisch betrachtet ist Licht eine elektromagnetische Strahlung, die im Bereich von 380 bis 780 nm (Nanometer) fürs menschliche Auge sichtbar ist. Je intensiver die Strahlung, desto heller wirkt Licht auf uns — und desto besser können wir sehen.

Doch dient Licht nicht nur dem Sehen. Es wirkt auch auf die lichtempfindlichen Ganglienzellen in der Netzhaut, welche unseren Biorhythmus beeinflussen und steuern. Dazu zählen der Tag-, Nacht- und Jahresrhythmus, die Steuerung des Stoffwechsels und die Regulierung des Hormonhaushalts, der Fruchtbarkeit und des Wachstums. Spektralreiches Tageslicht ist deshalb die Basis für einen gesunden Menschen. Dabei reicht mit zehn Lux schon eine kleine Menge an Tageslicht, um eine Melatonin-Ausschüttung zu unterdrücken. Entdeckt wurden die Zusammenhänge zwischen Licht und Biorhythmus in den 1990er Jahren, wirklich erforscht werden sie erst seit 2001.

Das Sehen von Rindern und Schweinen gleicht in weiten Teilen dem des Menschen. Doch besitzt das menschliche Auge zum Erkennen von Farben drei Zapfentypen (S-, M- und L-Zapfen), weshalb die meisten blau, smaragdgrün und gelbgrün voneinander unterscheiden können. Rinder und Schweine besitzen nur zwei Zapfen (S- und M/L). Rinder und Schweine sehen so in Farbe, doch können nicht zwischen rot und grün unterscheiden. Womit wir bei den Mythen wären:

Mythos 1: Kühe sehen kein Rot

Dass Rinder und Schweine Rottöne nicht unterscheiden können, heißt aber nicht, dass sie rote Gegenstände nicht sehen können. Dieses Missverständnis ist wohl auch der Grund für die Annahme, dass Leuchten mit rotem Licht ein gutes Nachtlicht für Rinderställe abgeben würden. Die Theorie dahinter: Während der Landwirt im roten Schein der Leuchten die nächtlichen Tierkontrollen unbeschwert durchführen kann, genießen die laut Firmenvertreter in vermeintlicher Dunkelheit schlummernden Kühe ihre Nachtruhe — ein Mythos!

Richtig ist: Rinder sehen rotes Licht. Und dieses zeigt beim Tier auch seine Wirkung, weshalb rotes Licht in der Ruhephase störend sein kann. Und weil auch der Landwirt im roten Schein der Leuchten nicht wirklich viel erkennen und bewerten kann, spart man sich besser rot leuchtendes Stalllicht.

Tipp:

Wie jüngste Forschungsergebnisse zeigen, sehen Rinder und Schweine nachts allein wegen der heutzutage allgegenwärtigen Lichtverschmutzung mehr als ausreichend. Wer seinen Tieren etwas Gutes tun will, schaltet deshalb alle Leuchten nach 13 Stunden im Stall aus.

Ausgenommen von dieser Empfehlung sind fensterlose Ställe. Doch braucht es auch hier keine Festbeleuchtung, vielmehr reicht den Tieren bereits die kleine LED, z. B. an der...


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