Langzeittest: John Deere Feldhäcksler 9700i: Alltagstauglich

John Deere präsentierte 2018 die neue Feldhäcksler-Baureihe der 9000er Serie. Wir haben dem Feldhäcksler 9700i zwei Jahre über die Schulter geschaut.

Gut zu wissen

- In 850 Stunden hat der 9700i sehr gute Leistungen abgeliefert.
- Es gab keine Ausfälle während der Erntezeit.
- Detailkritik am Joystick oder ­der Ertragserfassung sollen verbessert werden.

Ein Feldhäcksler ist die Schlüsselmaschine in der Erntekette und muss in wenigen Wochen das Jahressoll einfahren. Entsprechend hoch ist der Anspruch an Service und Haltbarkeit einer solchen Maschine. Um eines vorwegzunehmen: Der Service, den unsere Maschine während der geleisteten 850 Stunden erfahren hat, passt. Es gab während der Mais­ernte bei Kunden keine maschinenbedingten Ausfallzeiten. Dennoch gibt es etwas Kritik, zu der wir später noch kommen.

John Deere 9700i: Das Modell

Der John Deere Feldhäcksler 9700i ist das zweitkleinste von vier Modellen der 9000er Serie und das kleinste Modell mit dem V12- Motor von Liebherr und satten 24 l Hub­raum. Unser Lohnunternehmer hat sich für diese Maschine entschieden, um seinen (Biogas-)Kunden eine schlagkräftige Ernte mit kurzen Schnittlängen und intensiver Erntegut-Aufbereitung anbieten zu können.

In zwei Jahren hat die Maschine auf etwa 1 650 ha hauptsächlich Mais geerntet. Zwar wird der Häcksler auch in der Grasernte eingesetzt (rund 100 ha), er ist dabei aber vornehmlich Spitzenbrecher. Insgesamt hat der Häcksler inzwischen 851 Motorstunden auf der Uhr.

Für eine möglichst hohe Durchsatzleistung mit optimaler Aufbereitungsqualität und gleichzeitiger Dokumentation wurde der schicke 9700i wie folgt konfiguriert:

  • Kemper Mais-Vorsatz 490 Plus mit 9 m Arbeitsbreite (12 Reihen),
  • Kemper Pickup für die Grasernte mit 3 m Arbeitsbreite,
  • 64-Messertrommel mit 1 350 U/min, Schnittlängen zwischen 3 und 14 mm,
  • Körnerprozessor XStream mit 250 mm Durchmesser und 50 % Drehzahldifferenz,
  • Premium-Dura-Line Paket mit Wolframcarbid gehärteten Verschleißteilen,
  • Harvest Monitor-Ertragserfassung, Har­vest Doc-Auftragsdokumentation, Harvest Lab-Inhaltsstofferfassung, JD Link-­Online-Maschinenüberwachung im Operation-Center.

Motor: 770 PS von Liebherr

Mit 770 PS ist der 9700i in der kleiner strukturierten Region hochmotorisiert unter­wegs. Die Fahrer haben beim Liebherr-Zwölfzylinder bis auf das Startverhalten bei sehr kalten Temperaturen keine Klagen. Der Motor krallt sich bei nur 1 500 Motortouren fest und beweist dabei ein hohes Drehmoment. Als Fahrer muss man sich an diese niedrigen Dreh­zahlen gewöhnen. Aber mutige Piloten drücken den Motor im Zweifel auch bis auf 1 200 Touren, wobei sich der V12 bei weniger Futter schnell wieder erholt.

Bei einem Wechselintervall von 1 000 h war noch kein Ölwechsel fällig (Ölmenge 99 l). Dennoch war der Häcksler zu einer von Liebherr einberufenen Inspektion (840 h) in der Werkstatt, um die Ventile zu prüfen (Kasten: Reparaturspiegel). Dabei wurden die Turboladerschläuche erneuert.

Die Kraft wird vom längs eingebauten Motor per Getriebe mit Trockensumpfschmierung auf den Riemen in Fahrtrichtung links übertragen, der die 88 cm breite Häckseltrommel mit 67 cm Durchmesser antreibt. Mit dem 12-reihigen Kemper-Vorsatz (Kasten: Gute Vorsätze für ein perfektes Erntejahr) haben wir Durchsätze von bis zu 250 t Frischmasse pro Stunde gemessen (38 % TS). Im Grünroggen war die Leistung ähnlich. Der Dieselverbrauch schwankte bei heterogenen Erträgen von 28 bis 33 l/ha bei Schnittlängen um 5 mm und intensivster Aufbereitung.

Häckseln: Perfektes Häckselgut

Ebenso positiv wird die Häckselqualität der Vielmessertrommel beurteilt. Nicht nur die Schnittqualität, auch die Aufbereitung der Maiskörner und Stängel durch den XStream-Körnerprozessor von Scherer aus den USA geben keinen Anlass zur Kritik. Besser noch: Die Aufbereitungsqualität zeigt sich in den hohen CSPS-Werten der Häckselproben, die mit 80 % weit über den geforderten 70 % liegen. Der Corn-Silage-Processing-Score (CSPS) gilt als Maß für die Aufbereitungs­qualität der Maiskörner.

Dass sich der Spalt der beiden Walzen mit 250 mm Durchmesser nur mechanisch am Cracker selbst verändern lässt, stört die Fahrer nicht. Meist wurde mit einem Spaltabstand von 1 mm gehäckselt. Der...


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